Wie man Nachweise liest

Jede Aussage — Geburt, Ehe, Verwandtschaft — hat eine Seite «Woher wir das wissen» mit Quellen, Auszügen und Beweisstufe. Die Stufe gilt für die einzelne Aussage, nicht für die Person insgesamt.

Beweisstufen

L1Primärdokument geprüftDas Originaldokument liegt als geprüfte Abbildung vor und nennt die Person oder die Verbindung direkt.
L2Stark durch Archiv belegtArchivgebundene Transkription oder Index mit Signatur; das Original wurde noch nicht selbst gelesen.
L3RekonstruktionSchlussfolgerung aus mehreren indirekten Angaben; ein direktes Dokument fehlt.
L4HypotheseAnnahme zur Prüfung. Im Stammbaum gestrichelt dargestellt.
Bewertung ausstehendDie Verbindung ist eingetragen, die Stufe wurde noch nicht vergeben.

Verwandtschaft und Beweis sind zwei Dinge

Die Linien im Stammbaum zeigen, wer mit wem verwandt ist. Die Stufe (L1–L4) zeigt, wie sicher wir das wissen. Eine durchgezogene Linie mit L3 bedeutet: die Verbindung ist angenommen, beruht aber auf Rekonstruktion. Nur Hypothesen und strittige Verbindungen sind gestrichelt.

Der Mensch und die Karte sind zwei Aussagen

Ein Dokument kann beweisen, dass es diesen Menschen gab, und trotzdem nicht beweisen, welche Karte unserer Datenbank er ist. Das sind zwei getrennte Aussagen mit eigenen Stufen: „das Dokument nennt dieses Kind“ kann L1 oder L2 sein, während „dieses Kind ist unsere Karte X“ bei L3 oder L4 bleibt. Die Stufe einer Identifizierung steigt nie automatisch mit der Güte des Dokuments. Solange die Identifizierung nur wahrscheinlich ist, wird das Ereignis des Dokuments nicht als gesicherte Tatsache in die Biografie dieser Karte geschrieben.

Daraus folgt die Regel, nach der jede Karte gelesen wird: Was auf der Karte einer Person steht, kann nie sicherer sein als das Schwächere von beidem — der Stufe des Dokuments und der Stufe der Zuordnung, die dieses Dokument gerade mit dieser Karte verbindet. Das Dokument behält dabei seine eigene Stufe und wird überall als Quelle mit ihr geführt; nur die Aussage über diese Person wird eine Stufe schwächer gezeigt, mit dem Hinweis, der beide nennt: „Dokument Stufe 2 · Zuordnung Stufe 3“.

Ein Beispiel: Die Auswanderungsliste von Stettfeld 1809 ist eine archivgebundene Transkription, also Stufe 2. Dass ihr „Kondrat, 27 Jahre“ unser Konrad Beichel ist, bleibt eine Rekonstruktion, also Stufe 3. Auf Konrads Karte steht die Umsiedlung deshalb mit Stufe 3, während die Liste in den Quellen Stufe 2 bleibt. Eine Verwandtschaft nennt zwei Karten, also schwächt die offene Zuordnung einer der beiden Seiten die Verbindung für beide.

Was eine Aussage an eine Zuordnung bindet, ist der Eintrag, auf dem sie beruht — nie eine Forschungsfrage. Jede Zuordnung nennt die Einträge, die sie an die Karte bindet; was auf nichts als diesen Einträgen beruht, erreicht die Karte nur über sie. Beruht eine Aussage auch auf einem Eintrag der eigenen Seite der Karte, steht sie für sich: Andreas Kunz’ Ehe von 1882, nur aus dem Heiratseintrag bekannt, wird mit Stufe 3 gelesen, sein Vater Valentin, schon im Taufeintrag von 1860 genannt, bleibt Stufe 2. Umgekehrt wird nichts stillschweigend herabgestuft: Wo eine Karte gar keine Zuordnung trägt, steht die Stufe des Dokuments unverändert auf ihr.

Index ist kein Original

FamilySearch-Indizes und Transkriptionen werden mit ihrer eigenen Schreibweise gespeichert. Der kanonische Name einer Person (z. B. Franz Georg Gerweck) ist in beiden Sprachen gleich; Franciscus Georgius, Gerwick oder Гервек bleiben als Quellenformen erhalten und erzeugen keine zweite Person.

Eine andere Schreibweise ist keine andere Person

In Kirchenbüchern, späteren Transkriptionen und sowjetischen Dokumenten unterscheiden sich Namen oft um einige Buchstaben: Gerweck, Gerwek, Gerwig, Gerwick, Kuns und Kunz, Margareta und Margaretha. Eine solche Abweichung allein trennt keine Person, stuft keine Verbindung herab und verwirft keine sonst schlüssige Identifizierung. Wer eine Person ist, ergibt sich aus allen Angaben zusammen: Ehepartner, Eltern, Alter, Siedlung, Chronologie, Kinder, Paten und Zeugen, Haushalt und Besitz. Die Schreibweise der Quelle bleibt im Nachweis wörtlich erhalten; eine abweichende Lesung wird als Quellenabweichung geführt.

Taufe und Bestattung statt Geburt und Tod

Kirchenbuchindizes nennen meist das Tauf- oder Bestattungsdatum. Das Archiv speichert das Ereignis so, wie es die Quelle nennt; das Geburtsdatum wird nicht daraus abgeleitet.

Lebende Personen

Lebende Person: im öffentlichen Modus werden nur Name und Geburtsjahr angezeigt. Moderne Dokumente werden nur als Metadaten geführt; Scans werden nicht veröffentlicht.

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